Ruhe & Entspannung

Stress blockiert das Gehirn

Auf Stress reagiert unser Gehirn hochempfindlich, zielgerichtetes Denken wird unmöglich und Denkblockaden setzen ein. Woran liegt das und was kann man dagegen tun?

Plötzlich hatte Arne eine Denkblockade. Totaler Blackout in der mündlichen Prüfung. Solche Situationen kennt wahrscheinlich jeder von uns. Unter Stress fallen einem oft die einfachsten Dinge nicht mehr ein. Verantwortlich für diesen unangenehmen Effekt sind die beiden Stresshormone Cortisol und Noradrenalin. Cortisol wird in körperlichen und psychischen Stresssituationen aus der Nebennierenrinde ausgeschüttet, Noradrenalin aus dem Nebennierenmark und bestimmten Zellen der Amygdala, dem Angstzentrum des Gehirns. Beide haben vielfältige und wichtige Funktionen im Körper und bereiten den Körper auf Kampf oder Flucht vor. Sie erhöhen die Herzfrequenz, verbessern die Durchblutung der Muskeln und reduzieren alles was im Moment von Kampf oder Flucht unnötig ist, wie Verdauung oder Sexualfunktionen. Leider können diese Stresshormone dabei auch Gehirnareale lahmlegen, die für zielgerichtetes Denken notwendig sind.

Stress kann wichtige Denkzentren blockieren

Das betrifft vor allem den so genannten präfrontalen Cortex. Das ist der Bereich der Großhirnrinde vorne im Stirnlappen, der für Planung, Analyse und Entscheidungsfindung, sowie das Urteilsvermögen und den Zugriff auf Gedächtnisinhalte zuständig ist. Wird diese Gehirnregion durch eine Schwemme an Stresshormonen blockiert, übernehmen tief gelegene, „archaische“ Hirnstrukturen die Kontrolle. Unser rationales Denken wird kurzfristig ausgeschaltet und das Abrufen und Erinnern von Gedächtnisinhalten wird behindert. Dieser Effekt ist natürlich nur vorübergehend während der Stressreaktion.

Bleibende Schäden durch Dauerstress

Anhaltender Stress – und damit ein länger andauernder Einfluss von Cortisol und Noradrenalin – kann die Zellen von präfrontalem Cortex und Hippocampus jedoch auch dauerhaft schädigen. Und das kann zu einer Art frühzeitigen Alterung dieser Gehirnbereiche führen.

Der Hippocampus ist der Teil des Gehirns, der für Lernen und Gedächtnis von zentraler Bedeutung ist. Wie verschiedene Studien zeigen, reagiert der Hippocampus extrem sensitiv auf erhöhte Cortisol-Spiegel und wird bei dauernder Einwirkung von Stresshormonen geschädigt. Eine Degeneration dieses Hirnbereichs führt über einen Feedback-Mechanismus fatalerweise zu einer weiteren Erhöhung der Cortisol-Konzentration – ein Teufelskreis für Gedächtnis und kognitive Funktionen. Auch die Erinnerungsprobleme bei Krankheiten wie Depressionen, die unter anderem mit einer Cortisol-Überproduktion einhergehen, könnten so erklärt werden.

Was hilft bei Prüfungsstress?

Wie aber lässt sich ein Stress-Blackout vermeiden oder überwinden? Wie bringt man das Gehirn dazu, die gewünschte Information dann preiszugeben, wenn man sie dringend braucht? Zuerst einmal, je vertrauter eine Situation ist, desto weniger Stress löst sie aus. Es hilft also, vorher unter möglichst realistischen Bedingungen die Situation zu üben. Wenn dich die Denkblockade trotzdem ausgerechnet während der mündlichen Prüfung überfällt: Versuche langsam und tief einzuatmen – bis hinunter in den Bauch und halte etwas die Luft an. Dann atme ebenso langsam wieder aus – so lange, bis die den Stress im Griff hast.

Nahrungsergänzungsmittel, die entweder Melatonin enthalten oder Melatonin-Grundlagen, wie L-Tryptophan oder 5-HTP, und so den Melatonin-Spiegel erhöhen, könnten auch bei Stress helfen. Laut einer US-Studie kann Melatonin künstlich erzeugten Stress signifikant reduzieren.

 

Literatur:

Amy Arnsten, Rajita Sinha und Carolyn Mazure: Biologie des Blackouts. Spektrum der Wissenschaften Dez. 2012, 44-49.

McGaugh, J. L.: Memory: a century of consolidation. Science. 2000;287: 248-251.

Kirby AW, Clayton M, Rivera P, Comperatore CA. Melatonin and the reduction or alleviation of stress. J Pineal Res. 1999;27:78-85.

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